Auf A Wort mit Prof. Dr. Matthias Drossel
Prof Dr. Matthias Drossel ist Studiengangleiter für den berufsqualifiziernden Studiengang Pflege B.Sc. der Hochschule Hof. Wir sprachen im Interview mit ihm über die Chancen des Pflegestudiums und welche Möglichkeiten dieses insbesondere für die Langzeitpflege bietet.
Das berufsqualifizierende Studium Pflege B.Sc. kombiniert die generalistische Pflegeausbildung mit einem Hochschulstudium. Der Abschluss beinhaltet auch eine erweiterte Heilkundeübertragung, was bedeutet das konkret?
Prof Dr. Drossel: Die Hochschulische Ausbildung ermöglicht die Befugniserweiterung nach BEEP und bedeutet, dass Pflegefachpersonen gesetzlich definierte zusätzliche Aufgaben übernehmen dürfen, die bisher Ärzt*innen vorbehalten waren – z. B. bestimmte diagnostische oder therapeutische Entscheidungen. Ziel ist eine kompetenzorientierte Aufgabenverteilung im Sinne einer besseren, schnelleren und wohnortnahen Versorgung OHNE Versorgungsabbrüche.
Diese Erweiterte Heilkunde in der hochschulischen Ausbildung bedeutet, dass wir Pflegende im Studium wissenschaftlich fundiert darauf vorbereiten, ausgewählte heilkundliche Tätigkeiten eigenverantwortlich und evidenzbasiert auszuführen – etwa im Bereich Wundmanagement, Diabetes oder Demenz.
Wo sehen Sie besondere Potenziale akademisch ausgebildeter Pflegekräfte in der Langzeitpflege?
Prof Dr. Drossel: Bisher kommt es häufig zu Versorgungsabbrüchen, da Pflegefachpersonen nicht in dem Maße steuern und Entscheidungen treffen dürfen. Unsicherheiten und nicht-Greifbarkeit von Hausärzten oder Fachärzten bedeutet dann häufig eine Einweisung von Bewohnern/Klienten in die Akutklinik. Neben der klassischen Grundversorgung am Patienten leisten dann hochschulisch ausgebildete Personen hier die richtigen Entscheidungen. Durch ihr besonderes Wissen im Kontext von Hinzuzug von externem Wissen leisten sie auch einen Beitrag dazu, dass Prozesse in der Versorgung verbessert oder optimiert werden. Stets individuell auf den Patienten, Bewohner und Klienten angepasst. Wir entwickeln unsere Studierenden also für die Patientenversorgung und nicht weg von der Versorgung …
Welche neuen Rollenprofile könnten entstehen?
Prof Dr. Drossel: Pflegefachpersonen, die Fallverantwortung für spezielle, komplexe Situationen übernehmen z. B. Es gibt eine Vielzahl von Rollen, im englischen Sprachraum nennt man diese Spezialisierungen Advanced Practice Nurses, bei uns würden man sagen, dass diese durch ihre spezialisierten Themen als Pflegeexperten auch die entsprechenden Versorgungsrollen übernehmen. Gerade auch die Übernahme der erweiterten heilkundlichen Aufgaben, z. B. bei Diabetikern, Wunden und auch bei Menschen mit Demenz sind gute Beispiele. Viele weitere Möglichkeiten bestehen.
Wie kann verhindert werden, dass akademisch ausgebildete Pflegekräfte die direkte Versorgung frühzeitig verlassen?
Prof Dr. Drossel: Man muss sie einbinden. Rollen für sie schaffen. Verantwortung übergeben. Geld allein ist es am Ende nicht. Das Gerücht hält sich aber immer wieder. Die Personen wollen eben auch Patienten, Klienten und Bewohner versorgen. Für sie ist es aber eben entscheidend, wie sie selbstständig agieren dürfen ohne die Erlaubnis Dritter. Genau das wird jetzt endlich gesetzlich geschaffen und wird sicher zu mehr Zufriedenheit im Arbeitsleben von Pflegefachpersonen führen…
Welche politischen Rahmenbedingungen sind notwendig bzw. was müsste angestoßen werden, um das Potenzial des Pflegestudiums voll auszuschöpfen?
Prof Dr. Drossel: Puh, ich sag mal so. Der Anfang ist gemacht. Aber wir denken Versorgung immer noch nicht aus der Versorgungssituation heraus. Sondern aus der medizinischen Versorgung. Das ist falsch. Führt zu Doppelleistungen, umständliche Wege, Kommunikationsverluste, uvw.. Hier muss eine klar versorgungszentrierte (primäre) Versorgung in den Fokus. Ich denke, dass Pflegefachpersonen, v.a. mit dem hochschulischen Profil das perfekt leisten können.
Welche Botschaft möchten Sie Studierenden mitgeben, die sich für ein Studium interessieren?
Prof Dr. Drossel: Großartig! Ihr könnt endlich das studieren, was Jahrzehnte gewünscht wurde. Und es kommt noch besser: Ihr bekommt dabei monatlich ein Entgelt für ein Studium. Das ist genial! Und dann macht diese sinnstiftende Arbeit am Ende, wenn man die Verantwortung auch konsequent übernehmen darf auch noch Freude. Nicht immer, das ist auch klar. Aber die Gesundheits- und Pflegeversorgung von Pflegeempfängern, aber auch die Arbeit mit Angehörigen und anderen Berufsgruppen ist an Sinnstiftung doch nicht zu überbieten, oder?
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